Mit dem Unglück um Rana Plaza, dem größten Fabrikeinsturz der Geschichte wurde der Öffentlichkeit die gesellschaftspolitische Brisanz der Textil- und Bekleidungsindustrie 2013 in das Bewusstsein gerufen.

Die Bilder in den Medien konzentrierten sich darauf den Fatalismus eines Industriezweiges hervorzuheben. Eine reflektierte Darstellung der Textilarbeiterinnen mit Blick auf die Rolle bengalischer Frauen in der Gesellschaft, gab es nicht. Ich wollte diese Frauen kennenlernen, die für die 80% von 4,2 Millionen Textilarbeiter und Textilarbeiterinnen stehen.

In diesem Atemzug bekam Bangladesch für mich eine Bedeutung. In einem Land zu leben, was zu dieser Zeit als ein aufstrebendes Niedriglohnland im Textilsektor beschrieben wurde, bekam im Zusammenhang mit den Themen Textil und Bekleidung, sowie der Rolle der Frau in diesen Produktionsländern eine Relevanz.

In Dhaka, einer 17 Millionen Metropole begann ich 2014 mit meiner Recherche und traf Menschen verschiedener Herkunft aus vielseitigen Tätigkeitsbereichen und diversen Wirkungskreisen rund um den Textilsektor. Sie führten mich zu Organisationen, durch die ich einen ersten Eindruck über das Arbeitsumfeld von Textilarbeiterinnen bekam. Nach vielen Anfragen und Gesprächen bekam ich drei Monaten später den Zugang zu der ersten Fabrik.

In Bezug auf Arbeitsbedingungen erlebt die Textilindustrie, neben seiner technologischen Entwicklung, eine Wiederholung. Dennoch hat der textile Sektor wie in keinem Land zuvor die Grundlage für die Emanzipation einer bengalischen Frau geschaffen.

„Würdest du das, was du produzierst einmal anziehen wollen?“ Eine in den Fabriken anfangs ungewöhnlich klingende Frage eröffnete einen Dialog und die Zusammenarbeit mit den Textilarbeiterinnen. Eine Begegnung mit dem westlichen Konsumgut welches sie produzieren, jedoch aufgrund eines arbeitsteiligen Produktionsprozesses nur fragmentarisch wahrnehmen. Eine persönliche Beziehung entstand, die über den Austausch von Kleidung weit hinaus reichte und mir einen Einblick in ihr Alltagsleben ermöglichte.

Die daraus entstandene Portraitserie führte mich bisher nach Bangladesch, Kambodscha und Myanmar. Gemeinsam entstanden Portraitaufnahmen, welche von vestimentären Verknüpfungen unserer Kleidungskulturen in einer globalisierten Welt erzählen.